Wir beginnen mit brutal ehrlicher Inventur: Nutzungshäufigkeit, Zufriedenheitswerte, Fehlermeldungen und Zeitaufwand pro Flow. Statt Annahmen entscheiden Belege. Funktionen, die selten genutzt, oft missverstanden oder kaum zur Zielerreichung beitragen, wandern auf die Streichliste, bevor sie weitere Komplexität, Wartungskosten und kognitive Schulden verursachen.
Jobs‑to‑be‑Done verschiebt den Blick von Features auf Fortschritt. Welche Umstände halten Nutzer zurück, welche Resultate wünschen sie wirklich? Aus Interviews, Tagebuchstudien und Kontextbeobachtungen entsteht ein Kompass, der Entscheidungen erdet und Mut macht, liebgewonnene, aber entbehrliche Funktionen zu entfernen, ohne den Nutzenkern zu beschädigen.
Metriken erzählen Geschichten, wenn sie entlang klarer Ziele gelesen werden. Wir verknüpfen Ereignisse, Trichterabbrüche und Sitzungsaufzeichnungen, erkennen Reibungspunkte und Scheinaktivitäten. So fällt die Entscheidung leichter, was zu streichen, zusammenzuführen oder später auszubauen ist, weil Wirkung statt Lautstärke zählt und Fokus greifbar wird.
Ein Team strich drei Pflichtfelder, reduzierte Hilfetexte und ersetzte Platzhalter durch klare Labels. Die Conversion stieg zweistellig, der Zeitaufwand sank deutlich, und Support‑Anfragen halbierten sich. Nutzer berichteten, das Ausfüllen fühle sich endlich selbstverständlich an, fast wie ein Gespräch statt einer Prüfung mit versteckten Fallen.
Auf einer Produktseite konkurrierten „Testen“ und „Kaufen“ hartnäckig. Durch Priorisierung eines eindeutigen Primär‑Calls und Verschiebung der Alternative hinter eine klare Option stiegen Klicks, Zeit bis zur Entscheidung sank, und Rückerstattungen nahmen ab, weil Erwartungen klarer formuliert und Einstiegshürden sichtbar kleiner geworden waren.
Ein gewachsenes Mega‑Menü wurde zu drei klaren Wegen mit sprechenden Beschriftungen. Suchanfragen gingen zurück, Onboarding verkürzte sich, und wiederkehrende Nutzer fanden seltene Funktionen schneller über eine konsistente, entlastende Informationsarchitektur. Insgesamt fühlte sich der Einstieg ruhiger an, ohne dass Tiefe oder Leistungsfähigkeit verloren gingen.
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